Das Projekt "Kindeswohl bei Trennung und Scheidung" im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie

Einen großen Schritt voran gekommen ist der Elternkonsens mit dem Projekt "Kindeswohl bei Trennung und Scheidung" im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Baden-Württemberg. 

In den Jahren 2010 und 2011 hat sich eine Gruppe von fast 40 Personen in zwei Arbeitsgruppen Gedanken gemacht, wie man den Kindern und Familien, die von Trennung und Scheidung betroffen sind, helfen kann. Die Gruppe setzte sich aus Richterinnen und Richtern, Rechtsanwältinnen und -anwälten, Mitarbeitenden von Jugendämtern und Beratungsstellen, Vertreterinnen des Kommunalverbands für Jugend und Soziales (KVJS) und des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht e.V. (DiJuF) und weiteren Personen zusammen.

Eine Unterarbeitsgruppe unter Federführung des Justizministeriums suchte "Wege zu einer konsensualen Zusammenarbeit im Familienkonflikt" und beschloss mehrere Maßnahmen, die in letzter Zeit umgesetzt worden sind:

  • Seit Mai 2012 existiert das "Netzwerk Elternkonsens"; es gibt in jedem der 17 Landgerichtsbezirke Baden-Württembergs mindestens einen richterlichen Ansprechpartner zum Elternkonsens.
  • Viele Arbeitskreise im Land haben im Jahr 2013 mit finanziellen Mitteln aus dem Nachhaltigkeitsprojekt interessante und gut besuchte Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen durchgeführt; weitere Informationen dazu finden Sie hier.
  • Eine kleine interdisziplinär besetzte Arbeitsgruppe hat in mehreren Sitzungen einen "Leitfaden zum Elternkonsens" diskutiert und geschrieben. Der Leitfaden soll eine Arbeitshilfe für junge Richter und Dezernatswechsler im Familienrecht sein und orientiert sich am Gang des Verfahrens im Sorge- und Umgangskonflikt nach den Grundsätzen des Elternkonsens. Der Leitfaden steht seit Sommer 2013 allen Richtern im Land zur Verfügung.
  • Schließlich ist auch dieses Internetportal eine beschlossene und geförderte Maßnahme des Projekts "Kindeswohl bei Trennung und Scheidung". Eltern und professionell Beteiligte sollen sich über den Elternkonsens informieren können; den Arbeitskreisen steht zudem ein passwortgeschützter interner Arbeitsbreich zur Verfügung, um die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu erleichtern.

Unter Federführung des Sozialministeriums diskutierte die andere Unterarbeitsgruppe Möglichkeiten der "Eltern-(Fort-)Bildung", um Eltern in Krisensituationen, Trennung und Scheidung zu unterstützen. Die Gruppe konzeptionierte verschiedene Kursangebote. Der Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) wurde mit der Abwicklung des Teilprojekts „Eltern-(Fort-)Bildung“ beauftragt. Das Gesamtprojekt gliedert sich in drei Einzelprojekte, die von Ende 2012 bis Februar 2014 umgesetzt wurden und hier vorgestellt werden:

 

1. Fort- und Weiterbildung für pädagogische Fachkräfte aus Kindertagesstätten: 

Das pädagogische Personal wurde für den professionellen Umgang mit Kindern und Eltern in Trennungs- und Scheidungssituationen geschult. Insgesamt wurden in 20 Stadt- und Landkreisen an 42 Fortbildungstagen 597 Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschult.

2. Trennungs- /Scheidungsgruppen für Eltern und Kinder und Qualifizierung der Fachkräfte, die die Trennungs-/Scheidungsgruppen für Eltern und Kinder durchführen: 

Eltern und Kinder können sich in getrennten Gruppen mit anderen Betroffenen austauschen und gegenseitig unterstützen.

In 27 Stadt- und Landkreisen fanden 34 Kindergruppen für insgesamt 234 von Trennung betroffene Kinder statt. 

23 Elterngruppen mit insgesamt 174 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in 21 Stadt- und Landkreisen wurden umgesetzt. 

Für die Durchführung der Gruppen wurden Beratungsfachkräfte geschult. Hierzu fanden zentrale Fortbildungen des KVJS statt. Die Qualifizierung der Beratungsfachkräfte erfolgte an insgesamt 14 Fortbildungstagen, welche je hälftig für Kinder- bzw. Elterngruppen verwendet wurden. Zur Durchführung der Kindergruppen wurden 55 Fachkräfte und für die Durchführung der Elterngruppen 64 Fachkräfte geschult.

3. „Elterntraining bei hochstrittigen Trennungskonflikten“  - Grundlagen, Interventionen und Rahmenbedingungen:

Im Rahmen dieses Einzelprojekts wurden Beratungsfachkräfte als Multiplikatoren für ein Elterntraining geschult, das speziell auf die Situation von hochstrittigen Eltern im Trennungskonflikt ausgerichtet ist. Insgesamt wurden neun zweitägige Qualifizierungsveranstaltungen mit insgesamt 106 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 35 Stadt- und Landkreisen durchgeführt.

 

Die Resonanz auf die Fort- und Weiterbildungsangebote war hervorragend. Mit diesen Kursen konnte offensichtlich eine Lücke gefüllt werden. Neun Stadt- und Landkreise haben alle Projektteile in Anspruch genommen, nur drei Stadt-und Landkreise haben die finanzielle Förderung nicht genutzt. Die weiteren 32 Stadt- und Landkreise haben Teile des Projektes umgesetzt.

Weitere Informationen zu Elternkursen erhalten Sie hier und auf der Homepage des KVJS.